Am 24. Januar lud die SPD Ottobrunn ins Wolf-Ferrari-Haus zu einer hochkarätigen Diskussion ein: Unter dem Titel „Amerika First – und Deutschland?“ widmete sich die Veranstaltung den politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in den USA und deren Auswirkungen auf Deutschland und Europa. Mit Dr. Udo Metzinger und Dr. Korbinian Rüger konnte die SPD zwei herausragende Experten gewinnen, die spannende Einblicke und fundierte Analysen lieferten.
Die Referenten
Dr. Udo Metzinger hat Politikwissenschaft, Germanistik und Geschichte in Köln studiert und als Gastwissenschaftler in Washington, D.C. geforscht. Seine Dissertation wurde mit dem Forschungspreis des Instituts für Auslandsbeziehungen ausgezeichnet. Seit vielen Jahren ist er in der politischen Bildungsarbeit tätig, unter anderem an Akademien und im Netzwerk Politische Bildung der Bundeswehr.
Dr. Korbinian Rüger ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) München und Experte für politische Philosophie mit den Schwerpunkten Ethik und Verteilungsgerechtigkeit. Er hat an renommierten Universitäten wie Oxford und Princeton geforscht und ist Vorsitzender des SPD-Unterbezirks München-Land. Darüber hinaus kandidiert er als Bundestagskandidat der SPD im Wahlkreis München-Land.
Warum wurde Trump gewählt? Die Dynamiken des Populismus
Eine zentrale Frage des Abends lautete: Warum konnte sich Donald Trump als Präsident der Vereinigten Staaten etablieren – und welche Parallelen gibt es zu Deutschland? Dr. Udo Metzinger erklärte, dass die Öffnung der Republikaner für populistische Strömungen den Aufstieg Trumps überhaupt erst möglich gemacht habe. Diese Entfremdung von traditionellen Werten birgt auch für Deutschland Risiken, wenn keine klare Abgrenzung gegen Populismus erfolgt.
Interessant war auch die Rolle der Medien und sozialen Netzwerke: Selbst skurrile Videos und Popkultur-Elemente, die aus europäischer Perspektive "blöd wirken", hatten einen starken Einfluss – insbesondere auf Plattformen wie TikTok. „Die AfD verfolgt in Deutschland eine ähnliche Strategie und erzielt auf Social Media enorme Reichweiten“, warnte Dr. Metzinger.
Dr. Korbinian Rüger beleuchtete die gesellschaftlichen Hintergründe: Trumps Inszenierung als „Rächer des Systems“ treffe einen Nerv, besonders bei denjenigen, die sich von der liberalen Demokratie abgehängt fühlen. „Das System, gegen das Trump kämpft, ist die liberale Demokratie selbst“, so Rüger. Diese ermögliche zwar sozialen Aufstieg, könne aber ebenso ein Nährboden für Frustration und Populismus sein, wenn dieser Aufstieg ausbleibt.
Verschiebung der Wählergruppen – ein globales Phänomen Ein weiterer Diskussionspunkt war die Veränderung traditioneller Wählerstrukturen. Früher waren Arbeiter die Basis der Demokratischen Partei in den USA – heute tendieren viele von ihnen zu den Republikanern. Diese Verschiebung ist auch in Deutschland sichtbar: Arbeiter, die einst treue SPD-Wähler waren, orientieren sich zunehmend konservativ oder sogar nach rechts.
Die große Frage: Was bedeutet das für Deutschland?
Die imperialen Tendenzen der USA werfen für Deutschland und Europa wichtige strategische Fragen auf. Dr. Korbinian Rüger machte deutlich: „Die Antwort kann nur Europa sein.“ Deutschland habe jahrzehntelang vom Schutz der USA profitiert und dabei wirtschaftlichen Wohlstand aufgebaut. Doch in einer zunehmend multipolaren Welt müsse Deutschland eigenständiger agieren und langfristige strategische Partnerschaften suchen.
Besonderes Augenmerk legte die Diskussion auf die Bedeutung Afrikas. Deutschland dürfe den Kontinent nicht allein den Einflussmächten Russland und China überlassen – gerade mit Blick auf Migration und den Zugang zu Rohstoffen.
Ein NATO-Austritt der USA: Das Worst-Case-Szenario
Ein möglicher NATO-Austritt der USA wurde ebenfalls thematisiert. Die Experten waren sich einig: Ein solcher Schritt würde ein geopolitisches Beben auslösen. Dr. Udo Metzinger zog Vergleiche zum Brexit: „Ein Austritt wäre zwar ein langer Prozess, aber die Folgen wären verheerend.“ Deutschland könnte bis zu 30 Jahre benötigen, um die militärischen Fähigkeiten aufzubauen, die ein solcher Schritt notwendig machen würde.
Rüger bezeichnete dies als einen weiteren „Weckruf für Europa“: Europa müsse endlich aufwachen und eigenständig handlungsfähig werden.
Publikumsfragen: Ukraine, Scholz und Deutschlands Rolle
In der anschließenden Fragerunde wurde Bundeskanzler Olaf Scholz‘ Umgang mit dem Ukraine-Konflikt thematisiert. Dr. Korbinian Rüger lobte Scholz‘ besonnene Art, betonte aber, dass entschlossenere Maßnahmen – etwa durch eine Lockerung der Schuldenbremse – hilfreich sein könnten.
Auch die Rolle Deutschlands als wirtschaftliche „Champions-League-Nation“ kam zur Sprache. Auf die Frage, ob Deutschland von seiner Spitzenposition abrücken solle, antwortete Rüger entschieden: „Natürlich nicht! Deutschland sollte sich nicht kleiner machen, als es ist.“
Fazit: Eine Veranstaltung mit Weitblick
Die SPD Ottobrunn hat mit dieser Veranstaltung gezeigt, wie wichtig es ist, die Entwicklungen in den USA, Deutschland und Europa im globalen Kontext zu betrachten. Dank der fundierten Analysen von Dr. Udo Metzinger und Dr. Korbinian Rüger wurde deutlich, dass Deutschland vor großen Herausforderungen steht – sei es der Umgang mit Populismus, die Stärkung europäischer Unabhängigkeit oder die Vorbereitung auf geopolitische Veränderungen.
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